PROFIL


Ausgehend vom Säkularisierungsparadigma haben die Sozialwissenschaften der Religion lange Zeit keinerlei Bedeutung beigemessen. Mittlerweile ist von einer Renaissance, Revitalisierung oder auch Deprivatisierung der Religion und des Religiösen die Rede. Das betrifft auch die Friedens- und Konfliktforschung, die – mit dem Ende des Kalten Krieges, dem Aufbrechen von ethnischen und Identitätskonflikten sowie Ereignissen wie die Anschläge vom 11. September 2001 – begonnen hat, sich mit dem Einfluss von Religion auf Gewaltkonflikte zu beschäftigen. Angesichts der anscheinend steigenden Anzahl religiös motivierter Gewaltakteure weltweit wächst die Besorgnis, dass Religionen in undurchschaubarer Weise eskalierend wirken. Darüber gerät bisweilen ihr Friedens- und Deeskalationspotenzial in den Hintergrund. Aus dieser Ambivalenz der Auswirkungen von Religionen auf politische Konflikte orientiert sich der Forschungsverbund Religion und Konflikt an der Leitfrage:

„Unter welchen Bedingungen, auf welche Weise und mit welcher Wirkung tragen welche religiösen Akteure, Strukturen, Motive, Traditionen, Überzeugungen, Situationsdeutungen oder Handlungen zum Ausbruch bzw. zur Eskalation politischer Gewaltkonflikte oder aber zu deren Beilegung bzw. Entschärfung bei?“ (Leitlinien 2006)

Angesichts dieser Leitfrage und zur Förderung der interdisziplinären Forschung zu diesem Themenfeld fokussiert sich der Forschungsverbund Religion und Konflikt in seiner Arbeit auf drei Bereiche:
   

1.   Erfassung und Vernetzung von Forschungsprojekten zu Religion und Konflikt

Der Forschungsverbund Religion und Konflikt erfasst alle von seinen Mitgliedern durchgeführten Forschungsprojekte zum Themenfeld Religion und Konflikt, die sich unter die obige Leitfrage fassen lassen. Unter der Rubrik Projekte sind diese veröffentlicht. Sie dienen der direkten Vernetzung verwandter Projekte sowie der themenspezifischen Kontaktaufnahme von Interessenten oder Instituten des Wissenstransfers wie Akademien, Universitäten und Stiftungen. Bei Interesse an einer Mitgliedschaft im Forschungsverbund bitten wir Sie, uns Ihre Forschungsprojekte – aber auch schon konkrete Forschungsideen – zum Themenfeld Religion und Konflikt mitzuteilen, sofern möglich mit Thema/Titel, Projektleiter/-mitarbeiter, Art des Projektes, Beginn und Laufzeit, ggf. Förderung durch, sowie Kontaktdaten.
   

2.   Workshops, Tagungen und Konferenzen

Eine zweite Säule des Forschungsverbundes stellt die Planung, Organisation und Durchführung von fachspezifischen Workshops/Arbeitsgruppen, Jahrestagungen sowie größeren Konferenzen unter Beteiligung des Forschungsverbundes dar. Der Fokus liegt auf aktuelle Schwerpunktthemen aus dem Bereich Religion und Konflikt. Wir verfolgen zwei konkrete Ziele: Zum einen soll der Austausch und die Kooperation von Forschern gefördert werden. Zum anderen können auf diese Weise die Anliegen des Forschungsverbundes auch über eine Diskussion im universitären und wissenschaftlichen Umfeld hinausgehoben und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
   

3.   Unterstützung bei der Initiierung von Projekten

Drittens unterstützten wir die Initiierung von Forschungsprojekten zum Themenfeld Religion und Konflikt. Dies erfolgt einmal durch die Einbettung der Projekte in das Netzwerk des Forschungsverbundes. Der Forschungsverbund dient aber ebenso als Plattform für gemeinsame – auch größere – Forschungsanträge und fördert damit insbesondere multi- und interdisziplinäre Projekte. Die Basis und der daraus resultierende Mehrwert ergeben sich aus der über Jahre gewachsenen engen Kooperation und Zusammenarbeit von Forschern zu diesem Themenfeld im Rahmen dieses Forschungsverbundes.